Zur Verbesserung der praxisbezogenen Ausbildung der Offiziersschüler und für Fahrten in entferntere Seegebiete, stellte die Volksmarine ein neues Motorschulschiff am 06. Juli 1976 unter dem Namen „WILHELM PIECK“ feierlich in Dienst. Auf der Nord-Werft in Gdansk / Polen erbaut, entspricht das Fahrzeug weitestgehend den zwei polnischen Schulschiffen „WODNIK“ und „GRYF“. Auch die sowjetische Seekriegsflotte erhielt zwei dieser Fahrzeuge in einer etwas modifizierten Version, von denen die „LUGA“ mehrfach in Rostock weilte.

Aufgabe des SCHULschiffes war es, die Offiziersschüler hauptsächlich der Seelaufbahn, aber auch die Offiziersschüler der Sektion Schiffsmaschinenbetrieb und dem Profil Politoffiziere, mit dem Dienst an Bord vertraut zu machen.

Dazu waren verschiedene Etappen geplant.

1. Studienjahr: 5-10 Tage, Fahrten meist nur Ostsee zur Seegewöhnung, mit Besteigen Rettungsfloß und Normabnahme 25mm-Geschütz, meist ohne Anlaufen eines Auslandshafen.

2. Studienjahr: zwei bis vier Wochen in die Ostsee, Kattegat, Skagerak, Nordsee und den Ärmelkanal, Ausbildung in der Kunst des Navigierens, Bestimmen von Position, Strömungen und Abdriften, Handhaben von Peildioptern und Sextanten, allg. Borddienst, Schiffsmaschinenbetrieb und Polit.

3. Studienjahr: sollte dann eigentlich die "Große Fahrt" stattfinden, 4-9 Wochen in Ostsee, Nordmeer und Mittelmeer, in doublierenden Funktionen, Prüfungen in praktischer Navigation und Abnahme der Normen im Signalbetriebsdienst z. Bsp.: Morsen Tempo 90. Leistungsprüfungen in Polit, Artillerietechnik, Schiffsführung, Schutz-, Sanitäts- und Seemannschaftsausbildung, Militärgeografie und Seekriegsgeschichte.

Neben der Vermittlung von nautisch-seemännischen Kenntnissen sowie der praktischen Bordausbildung zum Seeoffizier wurden mit diesen Ausbildungsfahrten auch ein hervorragender Beitrag zur Vertiefung und Festigung der Waffenbrüderschaft zwischen den sozialistischen Flotten geleistet und freundschaftliche Kontakte zu anderen Staaten geknüpft. Dazu dienten Hafen- und Flottenbesuche und auch die Ausbildung ausländischer Militärkader (AMK) der technischen Laufbahn aus Syrien.

Nach einigen Ausbildungsfahrten in der Ostsee ging es im Sommer 1978 auf die erste große Fahrt. In einem 7.000 sm langen sechswöchigen Seetörn befuhr das Schiff dabei den Atlantik und das Europäische Nordmeer. Erstmalig wurde Murmansk von einem Schiff der Volksmarine angelaufen und der Rotbanner-Nordflotte der UdSSR ein Besuch abgestattet. 1979 und 1981 führten Ausbildungsfahrten das Schiff in das Mittelmeer und in das Schwarze Meer. Sewastopol, Varna, Constanta und Split waren die Zielhäfen der Reise.

Leider erkannte man ziemlich spät, dass sich die Volksmarine als "Botschafter in Blau" ganz gut machte.

Vom 13. bis 16. Juli 1983 lief die "WILHELM PIECK" im Rahmen eines Ausbildungstörns mit Offiziersschülern den Hafen von Turku zu einem offiziellen Flottenbesuch in der Republik Finnland an. Erneut in das Mittelmeer mit Kurs Sewastopol ging es im Mai/Juni 1984. Auf dieser Reise stattete die Besatzung erstmalig auch den Häfen Tripolis (erster Besuch eines Schiffes der VM in einem afrikanischen Hafen) und Piräus (erster Besuch in einem Nato-Staat) einen Freundschaftsbesuch ab. 1987 kamen Latakia, 1989 Algier und 1990 Plymouth hinzu.

Die Teilnehmer der Fahrten waren also Diplomaten in Uniform und repräsentierten den ersten (einzigen) deutschen Arbeiter- und Bauernstaat auf See und in den Häfen.

Insgesamt absolvierte das Schulschiff bis 1990 49 Ausbildungsfahrten, auf denen es mehr als 170.000 sm zurücklegte.

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